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Review: Air Canada A319 Business Class Seattle nach Toronto

Air Canada A319 Business Class

Im April gab es einen Flash Sale, über den viel geredet wurde: Ab Oslo und anderen skandinavischen Städten waren Star Alliance Business Class Tickets zu verschiedenen Delta Hubs in den USA stark reduziert buchbar. Da musste ich einfach kurzerhand zuschlagen und ein Ticket nach Seattle kaufen. Bisher habe ich schon über die Boeing Tour und das Museum of Flight (in zwei Teilen) berichtet. Nachdem ich nun schon ein Review der Air Canada Lounge in London-Heathrow und ein Review der Air Canada 787-8 Business Class auf dem Flug von London nach Vancouver veröffentlicht habe, kommen wir nun zum Rückflug. Um es abwechslungsreich zu halten, habe ich ein anderes Routing gebucht: Von Seattle aus sollte es über Toronto nach Kopenhagen gehen. Der erste Flug wurde leider nicht von einer 787 durchgeführt, sondern nur von einem A319. Und wie genau das war, lest ihr hier!

Air Canada A319 in Toronto
Air Canada A319 in Toronto

Flugnummer: AC542
Route: Seattle (SEA) – Toronto (YYZ)
Abflug: 11:00
Landung: 18:30
Flugzeit: 4:30h
Flugzeugtyp: Airbus A319
Reiseklasse: Business Class

Die Business Class im A319 erstreckt sich über 3 Reihen auf der linken Seite und 4 Reihen auf der rechten Seite des Flugzeugs in einer 2-2-Konfiguration. Im Vergleich zur 787, die von Air Canada auch auf einigen nordamerikanischen Transkontinentalstrecken eingesetzt wird, haben die hier gewählten Sitze klar das Nachsehen. Direkten Zugang zum Gang sucht man vergeblich, und in ein Bett verwandeln kann man sie auch nicht. Aber mal ganz ehrlich: Braucht man das auf einem viereinhalbstündigen Tagflug wirklich? Ich denke nicht. Mit 21,1 Zoll Sitzbreite, 38 Zoll Sitzabstand und In-Flight Entertainment für jeden Sitz schlägt die Konfiguration so gut wie alles, was in Europa als Business Class verkauft wird.

Air Canada A319 Business Class
Air Canada A319 Business Class

Ich hatte Sitz 2A reserviert. Diese haben durch den Bulkhead – vor dem Sitz befindet sich direkt die Wand mit der Garderobe – ein bisschen mehr Beinfreiheit. Durch das Priority Boarding für Business Class Passagiere war ich dann auch als einer der ersten an Bord. Neben mir saß ein Kanadier, der für einen Wochenendtrip nach Seattle geflogen ist. Ganz vorne rechts saß ein etwas älteres deutsches Ehepaar. Entweder hatten beide den besten Tag ihres Lebens oder sie sind einfach die fröhlichsten Menschen, die es gibt! Auch die Flugbegleiter unterhielten sich sehr intensiv mit ihnen. Anscheinend ging es für sie von Toronto aus weiter in den Osten Kanadas, um die dortigen Nationalparks zu besuchen. Dieses Jahr sind die übrigens kostenlos zu besuchen

Air Canada A319 Business Class
Air Canada A319 Business Class

Aber zurück zum Flug: Die Monitore in der Bulkheadreihe sind an die Wand montiert. Man merkt leider, dass das verwendete System nicht das modernste ist. Die Bildschirme sind recht klein und von der Bildqualität nicht hervorragend. Das System reagiert insgesamt auch deutlich langsamer auf Eingaben als das in der 787. Die Auswahl allerdings scheint weitestgehend identisch zu sein.

Air Canada A319 Business Class
Air Canada A319 Business Class

Wenn ich das richtig mitbekommen habe, scheint Air Canada die Menüs auf transkontinentalen Flügen nicht oft (manche sagen auch nie) zu wechseln. In der Tat habe ich im Internet Bilder von 2013 gefunden, die dasselbe Menü zeigen. Aber da ich es ja noch nicht kannte, war’s mir in dem Moment egal. Es könnte nur nervig werden, wenn man öfter mit denen fliegt. Als Vorspeise gab es einen Salat, dem je nach Wunsch ein Hühnchen- oder Nudelgericht folgten. In der Tat sehr inspirierend. Als Dessert gab es Tiramisú. Wie immer gibt es die Menüs in englischer und französischer Sprachausgabe.

Air Canada A319 Business Class
Air Canada A319 Business Class

Ein kurzer Blick ans Nachbargate zeigt, wer hier in Seattle der Boss ist. Nein, nicht Frontier. Frontier hat allerdings eine der schönsten Bemalungen, die ich gesehen habe. Jedes Flugzeug schmückt ein anderes Tier am Seitenleitwerk, hier grüßt uns ein Waschbär. Leider soll die Airline sonst nicht so toll sein.

Flughafen Seattle
Flughafen Seattle

Der Platzhirsch ist Alaska Airlines. Der Name deutet zwar auf einen noch weiter nördlich liegenden Bundesstaat hin, aber in der Pazifik-Nordwest-Region hat sich die Airline sehr gut etablieren können. In Städten wie Portland und Seattle wird die Airline quasi als Homecarrier angesehen. Mir ist bei meinem Besuch in Seattle aufgefallen, dass Alaska Airlines so gut wie alles sponsert, was man nur sponsern könnte. Zur Zeit wird die Vormachtstellung von Alaska Airlines in Seattle durch Delta angegriffen, die ihre Präsenz dort stark ausbauen. Alaska wird dagegen mit Virgin America fusionieren und nach eigenen Aussagen die beste West Coast Airline werden. Na mal schauen. Auf jeden Fall würde ich gerne mal mit Alaska Airlines nach Alaska fliegen. Die Milk Run Route, auf der hintereinander viele kleine Dörfer angeflogen werden, klingt echt verlockend.

Flughafen Seattle
Flughafen Seattle

Auch ein paar europäische Airlines fliegen SEA an. Neben Lufthansa, Condor, Eurowings und British Airways sieht man hier auch regelmäßig Flugzeuge von Icelandair. Von Keflavik aus fliegen die Isländer eine ganze Reihe von Zielen in den USA an und bieten sogar kostenlose Stopover in Island an. Wenn die nur nach Berlin fliegen würden… 😉

Flughafen Seattle
Flughafen Seattle

Die Crew auf diesem Flug würde ich als professionell, freundlich und höflich beschreiben. Auf Smalltalk wie von dem deutschen Ehepaar wurde sehr interessiert eingegangen. Wie schon auf meinem anderen Flug mit Air Canada lag jedoch ansonsten eine gewisse professionelle Distanz in der Luft.  Besonders positiv werde ich die Crew nicht in Erinnerung halten, aber Fehler wurden auf der anderen Seite auch keine gemacht. Auf einem Flug von Seattle nach Toronto bekommt man eben nicht den Service seines Lebens – aber immerhin auch keinen schlechten. Die Sicht beim Abflug aus Seattle kann man dagegen sehr wohl mit diversen Superlativen beschreiben. Die Wälder und Berge um die Seen vom Puget Sound sind einfach wunderschön anzusehen. Die Sonne und der blaue Himmel tun ihr Übriges. Einfach nur atemberaubend!

Abflug von Seattle
Abflug von Seattle
Abflug von Seattle
Abflug von Seattle
Abflug von Seattle
Abflug von Seattle
Abflug von Seattle
Abflug von Seattle

Weiter östlich, nach dem Überfliegen der Rockies, wurde es dann etwas monotoner. Die Route führte uns über die nördlichen Bundesstaaten der USA. In den kanadischen Luftraum würden wir erst kurz vor Toronto im Gebiet der Großen Seen einfliegen.

Air Canada A319 Business Class
Air Canada A319 Business Class

Der Essensservice wurde irgendwo über, ich schätze jetzt mal, Montana eingeläutet. Das ist nicht besonders zügig und verdient auf einem Flug, der 11:00 abfliegt, ein paar Punkte Abzug. Immerhin werden sicherlich einige Fluggäste Mittagshunger haben. Ich hatte mir glücklicherweise aus der United Lounge eine Banane gemobst.

Air Canada A319 Business Class Mahlzeit
Air Canada A319 Business Class Mahlzeit

Der Service fing mit Nüssen und einem Getränk der Wahl an. Zu meiner Überraschung waren die Nüsse tatsächlich warm (sehr gut!). Das mit Kohlensäure angereicherte Wasser wurde mit Eiswürfeln versehen und mit einer Zitrone veredelt. Der Air Canada Plastikspieß vollendete das beste Glas Wasser, was ich jemals zu mir nehmen durfte. So oder so ähnlich. Tatsächlich tat das Glas Wasser in diesem Moment unbeschreiblich gut, aber das mag wohl eher an der Erkältung gelegen haben, die ich mir in Seattle geholt hatte. Jedenfalls habe ich überaus positive Erinnerungen an die Getränkerunde.

Umso enttäuschender dann das Hauptgericht: Der Salat war noch okay, vielleicht etwas trocken, aber das Hühnchen sah eher unappetitlich aus. Es schmeckte leider auch fast so, wie es aussah. Wahrscheinlich kann man von Glück reden, dass das Hühnchen nicht sonderlich viel Geschmack hatte. Wer weiß, was für ein Geschmack das gewesen wäre. Sorry, aber das ist selbst für eine Schulkantine nicht akzeptabel. Das Tiramisú hingegen war sehr gut. Hat eigentlich schon mal jemand ein schlechtes Dessert erlebt?

Air Canada A319 Business Class Mahlzeit
Air Canada A319 Business Class Mahlzeit

Viel mehr ist auf dem Flug auch gar nicht passiert. Eh ich mich versah, befanden wir uns schon im Anflug auf Toronto. Dort war das Wetter lange nicht so schön wie noch in Seattle, aber die Sicht im Landeanflug war dennoch toll. Landeanflüge in unbekannte Städte haben für mich immer einen gewissen Reiz…

Air Canada A319 Business Class Anflug auf Toronto
Air Canada A319 Business Class Anflug auf Toronto

Und wie die Maschine in Toronto am Gate steht, seht ihr am Anfang des Posts. Das Umsteigen in Toronto ist etwas gewöhnungsbedürftig, da man vor der ersten Kontrolle nach dem Verlassen des Flugzeugs schon penibel nach Reiseziel sortiert wird. Dafür sind dann die Wartezeiten an den Kontrollen klein und der Prozess wirkt ab da sehr geordnet und gut geplant.

Fazit

Oh, Air Canada! Würdest du doch nur dein Catering im Transkontinentalverkehr verbessern, wärst du gar nicht mal so schlecht – vor allem, wenn man dann noch eine 787 erwischt. Mit Hinblick auf andere nordamerikanische Airlines tut Air Canada genug, um konkurrenzfähig zu bleiben, aber eben auch nicht mehr. Für einen Tagesflug von 4:30h sind die Reclinersitze jedoch vollkommen in Ordnung, auch der Service ist zufriedenstellend. Auch die Maple Leaf Lounges sind meiner Erfahrung nach im Gegensatz zu United Clubs und Co. meist viel besser. Wer also gerne mal die wirklich gute Transatlantik Business Class der Air Canada ausprobieren möchte, aber von einem längeren Anschlussflug in die USA in einem A319 abgeschreckt wird: Macht’s ruhig, die Air Canada Business Class im A319 kann man gut aushalten.

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