| | | |

Miles & More will dynamische Preise für Prämienflüge einführen

Lufthansa A320

Nachdem Flying Blue vor etwa einem Jahr die traditionelle Meilentabelle abgeschafft hat, gibt es nun leider auch erste Anzeichen für ähnliche Entwicklungen bei Miles & More. In einem Forbes-Artikel zu diesem Thema wird Frank Naeve (Vice President of Sales, the Americas der Lufthansa Group) zitiert, der sich auf einer Pressekonferenz in Miami dazu äußerte. Naeve nennt zwar kein Zeitfenster, macht aber deutlich, dass man dem Star-Alliance-Partner United folgen möchte. United hatte erst kürzlich angekündigt, die traditionelle Meilentabelle noch in diesem Jahr abzuschaffen und durch ein dynamisches Modell zu ersetzen.

Lufthansa A320
Lufthansa A320

Was ist eine dynamische Meilentabelle?

Traditionell benutzen die meisten Vielfliegerprogramme eine Meilentabelle. Hier gibt es unterschiedliche Ansätze, aber in der Regel bezahlt man damit für eine gewählte Strecke immer gleich viele Meilen. Die beliebtesten Modelle sind regionsbasierte und distanzbasierte Tabellen:

  • Alle verfügbaren Länger/Flughäfen werden in Zonen gruppiert und alle möglichen Kombinationen aus diesen Zonen bekommen Meilenwerte zugewiesen.
  • Der Preis berechnet sich auf Basis der Distanz zwischen Abflug- und Zielflughafen, meist mit festen Preisen für bestimmte Distanzintervalle.

In der jüngeren Vergangenheit haben wir einige Versuche gesehen, diese Modelle etwas dynamischer zu machen. Beispielsweise gibt es im British Airways Executive Club einen Kalender mit Peak- und Off-Peak-Tagen, wobei an Peak-Tagen jeweils mehr Meilen fällig werden.

Eine komplett dynamische Tabelle geht noch ein paar Schritte weiter: Statt einer fixen Tabelle erhält nun jeder verfügbare Sitz einen individuellen Meilenwert zugewiesen. Eventuell gibt es dann eine Tabelle mit Mindestpreisen oder Sonderaktionen mit Rabatten auf den Preis eines Prämienfluges, aber im Endeffekt sind die Einlösungen stärker in das Revenue Management der Airline integriert.

Was heißt das für uns?

Eine dynamische Meilentabelle wird für die meisten von uns eine negative Entwicklung sein. Der Reiz eines Vielfliegerprogramms ist ja, auf einen bestimmten Prämienflug hinzuarbeiten und dann mit dem Gefühl rauszugehen, dass das Vielfliegerprogramm mir Dinge ermöglicht hat, die normalerweise kaum möglich wären. Das können Flüge in der Business Class oder First Class sein oder einfach Economy Class Flüge für die ganze Familie, die zur gewünschten Reisezeit vielleicht sonst unerschwinglich gewesen wären.

Mit den dynamischen Modell verliert man dagegen diese Planungssicherheit. Das Vielfliegerprogramm wird dadurch intransparenter und bewegt sich meiner Meinung nach vom Kerngedanken eines Loyalitätsprogramms weg. Schließlich bindet man Kunden doch eher mit genialen Einlösemöglichkeiten, die theoretisch nach ein paar Jahren sammeln auch für Normalverbraucher (im Gegensatz zu extremen Vielfliegern) erreichbar sind. Ein dynamisches System führt dann eher zu „hier bin ich wenigstens meine Meilen losgeworden“-Gefühlen. Das mag zwar kurzfristig zu mehr Umsatz führen, wird aber langfristig die Kundenbindung verschlechtern.

Ein paar positive Argumente für dynamische Preise gibt es aber auch. Man kann nämlich mehr Sitze für Prämienflugbuchungen freigeben, auch wenn diese dann eventuell teurer sind. Mangelnde Verfügbarkeiten für Prämienflüge gehören bei fast allen Programmen zu den häufigsten Kundenbeschwerden. Durch ein dynamisches System kann man zumindest mehr Verfügbarkeiten schaffen, auch wenn diese eben absurd teuer werden können. Bei Delta Skymiles sieht man regelmäßig Flüge, die mehr als eine Million Meilen kosten.

Kurz zusammengefasst

Miles & More möchte die Meilentabelle abschaffen, hat dafür aber noch keinen konkreten Zeitrahmen. Statt der traditionellen Tabelle möchte man ein dynamisches System einführen, wie es z.B. Delta und United nutzen. Durch die dynamischen Preise können mehr Sitzplätze für Prämienflüge zur Verfügung gestellt werden, aber zu durchnittlich höheren Preisen. Für uns ist das wie eine starke Meilenentwertung, die das System dazu noch viel intransparenter macht. Schade eigentlich.

Danke an YHBU.

Ähnliche Beiträge

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.